Amethyst – Bedeutung, Wirkung und die Farbe der Schwelle

Der Amethyst ist der violette Quarz — geschrieben auch Amethyst-Stein oder Amethyst-Kristall, mineralogisch eine Varietät des Bergkristalls, gefärbt von Eisenspuren und natürlicher Strahlung. Sein Name kommt aus dem Griechischen: amethystos, „nicht berauscht". Man trank in der Antike aus Bechern aus diesem Stein, weil man hoffte, klar zu bleiben. Seine Bedeutung ist seither dieselbe geblieben — Klarheit, Ruhe und der Übergang zwischen zwei Zuständen. Die Wirkung, die man ihm in der Steinheilkunde nachsagt, ist Beruhigung, meist verbunden mit Schlaf und Stirnchakra. Er ist der Geburtsstein des Februar, wächst in Drusen von über zwei Metern Höhe und war bis ins 19. Jahrhundert so wertvoll wie ein Rubin.

Violette Dämmerungsstunde über Hügeln mit blühendem Heidekraut und Nebel in den Senken

Es gibt eine Stunde, in der die Welt sich nicht entscheidet.

Die Nacht ist noch da, der Morgen schon unterwegs, und für eine Weile gehört der Himmel keinem von beiden. Alles darin ist violett — die Wolken, der Nebel über dem Gras, das Heidekraut auf den Hügeln. Die Kelten hielten diese Stunde für gefährlich und kostbar zugleich. Zwischen den Zeiten, sagten sie, steht die Tür zur Anderswelt offen. Wer dann unterwegs war, ging leiser.

Nimm einen Amethyst in die Hand und dreh ihn gegen das Licht. Er ist kühl, kühler als die Luft, und er bleibt es länger, als man erwartet — Quarz gibt seine Kälte nur widerwillig her. Erst nach einer Weile wird er warm, und dann fühlt er sich an wie etwas, das dazugehört. Was du siehst, während du das tust, ist genau diese Farbe: nicht das Blau der Nacht, nicht das Rot des Morgens. Das, was dazwischen liegt.

Inhaltsverzeichnis

Die Farbe der Schwelle — Amethyst und die keltische Anderswelt

Von den Kelten ist nicht überliefert, dass sie den Amethyst kannten. Aber sie kannten die Stunde, in der er seine Farbe hat, und sie haben ihr mehr Bedeutung gegeben als jedem Stein.

Ihr Jahr hatte Türen. Samhain war eine, wenn das Licht ging; Beltane die andere, wenn es wiederkam. In diesen Nächten, sagte man, wird die Grenze zwischen den Lebenden und der Anderswelt dünn genug, um hindurchzugehen. Und was für das Jahr galt, galt für den Tag: Nicht am Mittag geschah das Ungewöhnliche, sondern in der Dämmerung.

Frau in dunklem Umhang an einem Steinkreis in der Dämmerung unter schmaler Mondsichel

In den irischen Erzählungen begegnet den Menschen dort eine Frau. Sie steht am Hügel, wenn das Licht kippt, und sie ist zu deutlich zu sehen für diese Stunde. Wer sie ansprach, kam anders zurück — oder gar nicht. Man nannte solche Begegnungen nicht Zufall. Man nannte sie den Beweis, dass die Tür offen stand. In den heiligen Hainen der Gallier, den nemeton, hielt man sich zu diesen Stunden bereit, an einem Ort, der weder Wald war noch offenes Land.

Die keltische Welt hat kein eigenes Wort für die Mitte, aber eine Vorliebe dafür. Zwischen zwei Zuständen, an der Kante, im Übergang — dort war für sie das Leben am durchlässigsten.

Wo das Violett steht Was daran zwischen den Welten liegt
Die Stunde vor Sonnenaufgang Weder Nacht noch Tag — in der irischen Überlieferung die Zeit der Begegnungen
Heidekraut auf den Hügeln Die letzte Farbe im Jahr, kurz bevor Samhain das Licht nimmt
Nebel über dem Moor Landschaft ohne Kante, Boden ohne Sicherheit
Der Amethyst im Gegenlicht Blau der Nacht und Rot des Morgens im selben Stein

Der Amethyst hat diese Farbe. Für uns bei Runental gehört er deshalb in diese Bildwelt — was ein Zeichen bedeutet, entscheidet nicht immer der Fundort. Wer die Formensprache dazu sucht, findet sie im keltischen Schmuck, und die Nacht, in der die Türen offenstanden, haben wir eigens aufgeschrieben: Samhain, das Fest des Übergangs.

Geboren in einer Blase aus Feuer — wie der Amethyst wächst

Sein Anfang ist ein Hohlraum. Wo Lava erstarrte, blieben Blasen zurück — leere Kammern im schwarzen Gestein, manchmal so klein wie eine Faust, manchmal so hoch, dass ein Mensch hineinsteigen kann. Über Millionen Jahre sickerte Wasser hinein und ließ an den Wänden zurück, was es mitgebracht hatte. Spitze für Spitze wuchs die Kammer zu, nach innen gerichtet, im Dunkeln, ohne dass je ein Auge dabei war.

Aufgesägte Amethystdruse mit grauer Außenschale und violetten Kristallspitzen im Inneren

Wer eine solche Druse aufsägt, sieht als erster Mensch hinein. Außen ein grauer Klumpen, wie tausend andere im Geröll. Innen eine Höhle aus violetten Zähnen, die das Licht zum ersten Mal in ihrem Leben trifft. Es gibt wenige Dinge auf dieser Erde, die so lange gewartet haben, um gesehen zu werden.

Die größten dieser Kammern stehen heute in Museen. Sie stammen aus Brasilien und Uruguay, sind über zwei Meter hoch, und man geht in sie hinein wie in eine Kapelle. Geologen nennen so etwas eine Geode. Wer eine Amethystdruse zu Hause hat, hat ein Stück von einer Blase, die einmal in glühendem Gestein saß.

Grüner, blauer, rosa — die Farben des Amethyst

Verschiedene Quarzvarietäten nebeneinander: Amethyst, Rosenquarz, Citrin, Bergkristall und Chevron

Nicht jede Kammer brachte dasselbe hervor. Die Farbe entsteht aus Eisenspuren im Quarzgitter, verändert durch die Strahlung des umgebenden Gesteins — und je nachdem, wie viel davon da war und was danach geschah, sieht der Stein anders aus.

Name im Handel Was dahintersteckt
Amethyst Das gewachsene Violett, von blass bis fast schwarz
Blauer Amethyst Sehr blasse Kristalle, die ins Bläuliche gehen — wenig Eisen im Wasser
Grüner Amethyst (Prasiolith) Fast immer erhitzter Amethyst. In der Natur äußerst selten
Pink Amethyst Rosafarbene Drusen, vor allem aus Argentinien
Chevron-Amethyst Weiße Bänder zwischen dem Violett — dort stockte das Wachstum und begann neu
Citrin Amethyst, dem die Hitze das Violett ins Gelbe gedreht hat
Ametrin Beides in einem Kristall — halb violett, halb golden

Es ist immer derselbe Quarz. Nur hat jede Kammer eine andere Geschichte erlebt.

Der Stein, der nüchtern halten sollte

Frau in der Antike mit einem Trinkkelch aus violettem Amethyst-Quarz

Ein Gastgeber in Athen ließ sich einen Becher aus violettem Quarz schneiden. Dickwandig, schwer in der Hand, mit den Spuren des Werkzeugs noch am Rand. Als die Runde begann, füllte er ihn wie alle anderen und hob ihn wie alle anderen. Aber der Wein darin sah aus wie Wasser bei Nacht — das Violett des Steins schluckte das Rot, und niemand am Tisch konnte erkennen, wie viel er trank. Oder ob überhaupt. Am Morgen war er der Einzige, der sich an den Abend erinnerte. Ob es am Stein lag oder daran, was er wirklich im Becher hatte, hat er nie gesagt.

Amethystos nannten sie ihn: der, der nicht betrunken macht. Es ist einer der wenigen Steine der Welt, dessen Name kein Aussehen beschreibt, sondern einen Wunsch.

Der Wunsch hat sich gehalten. Zweieinhalbtausend Jahre später saß derselbe Stein an den Händen katholischer Bischöfe, und wer vor ihnen niederkniete, küsste ihn. Er saß in der deutschen Reichskrone und im Schwert Karls des Großen. Immer bei Menschen, von denen erwartet wurde, dass sie den Kopf behalten, wenn andere ihn verlieren. Vom Trinkbecher bis zum Bischofsring: derselbe Stein, dieselbe Hoffnung, nur teurer geworden.

Das Mädchen, das es nie gegeben hat

Man erzählt sich eine Geschichte über die Farbe.

Dionysos, gekränkt und vom Wein gereizt, schwört, den nächsten Menschen auf seinem Weg den Tigern vorzuwerfen. Es kommt ein Mädchen. Amethystos heißt sie und ist unterwegs zum Tempel der Artemis. Als die Tiere anspringen, greift die Göttin ein und verwandelt sie in weißen Quarz — kalt, glatt, unversehrt. Dionysos steht davor, wieder bei Sinnen, und begreift, was er getan hat. Er gießt seinen Kelch über den Stein. Der Wein sickert ein. Seither ist der Quarz violett.

Renaissance-Dichter am Schreibtisch, über ihm die erdachte Szene mit Nymphe und Raubkatze

Die Geschichte ist schön. Sie ist nur nicht alt.

Ein französischer Dichter hat sie 1576 geschrieben, in einem Band, in dem er jedem Edelstein eine Liebesgeschichte gab, weil ihm die Steine ohne eine solche zu stumm waren. Kein griechischer Text kennt eine Amethystos. Er hat sie erfunden, nach dem Muster, das die alten Sagen wirklich kennen — Verfolgung, Flucht, Rettung durch Verwandlung, wie bei Daphne, die zum Lorbeer wurde. Er traf den Ton so genau, dass seine Erfindung seit vierhundertfünfzig Jahren als Überlieferung durch die Welt geht, in Büchern, auf Verpackungen, in fast jedem Text über diesen Stein.

Uns gefällt das. Ein Mensch der Renaissance sah einen violetten Stein an und fand, dass ihm eine Sage fehlte. Also schrieb er ihm eine. Das ist nicht weniger als ein Mythos — es ist nur einer, bei dem wir wissen, wer ihn geträumt hat.

Als der Königsstein seinen Rang verlor — Amethyst Wert und Preis

Es gab eine Zeit, da war ein Amethyst so viel wert wie ein Rubin. In Europa kam er aus wenigen Gruben, und eine davon lag im Hunsrück, rund um zwei Dörfer namens Idar und Oberstein. Dort brachen und schliffen Familien seit Generationen, was der Berg hergab.

Dann gaben die Gänge nichts mehr her.

Eine Frau in Idar packte ihrem Mann das Bündel für ein Schiff, von dem sie nicht wusste, ob es ankommt. Er ging nach Südbrasilien, wie viele aus dem Tal, und wurde dort Bauer, weil das Schleifen ihn daheim nicht mehr ernährt hatte. Jahre vergingen, in denen die Werkstatt stiller wurde. Dann stand eines Tages eine Kiste vor der Tür. Steine aus roter Erde, noch mit Staub daran, aus Kammern so groß wie Zimmer — mehr Amethyst auf einmal, als der Hunsrück in einem Menschenleben hergegeben hatte. Sie trug sie hinein und legte den ersten auf das Rad. Das war 1834. Die Räder liefen weiter.

Für den Stein selbst war es der Absturz. Brasilien und Uruguay lieferten so viel, dass der Preis fiel und nie wieder stieg; wer heute nach dem Wert eines Amethysts fragt, bekommt eine Antwort, die einen Rubinhändler zum Lachen bringt. Gute Farbe und Reinheit haben ihren Preis, aber das Kilo Rohstein kostet weniger als ein Abendessen.

Es hat dem Stein nichts genommen als seinen Rang. Er saß in der Reichskrone und liegt heute in der Hand einer Frau, die ihn sich selbst gekauft hat, weil ihr die Farbe gefiel. Von den beiden ist das nicht die schlechtere Geschichte.

Welche Wirkung dem Amethyst zugeschrieben wird

In moderner Symbolkunde steht der Amethyst für Klarheit, Ruhe und den Übergang zwischen den Welten — die violette Tiefe, die der Quarz im Schatten entwickelt. In der Steinheilkunde gilt er als einer der bekanntesten Heilsteine überhaupt; die Wirkung, die man dem Amethyst dort nachsagt, ist Beruhigung, meist verbunden mit dem Schlaf und mit dem Stirnchakra, das sie das dritte Auge nennen. Manche legen ihn dafür über Nacht ins Mondlicht, um ihn aufzuladen, andere unter das Kopfkissen dessen, der nicht zur Ruhe kommt — ein Brauch, den schon alte Kräuterbücher kennen.

Der Mann, dem der violette Becher gehörte, trank denselben Wein wie alle am Tisch. Aber er trank ihn anders, weil er etwas in der Hand hielt, das ihn daran erinnerte, wer er am Ende des Abends noch sein wollte. Und der Bischof sah den Stein an seiner Hand jedes Mal, wenn sich jemand davor beugte.

Das ist die älteste Überlieferung, die dieser Stein hat, und sie ist zweieinhalbtausend Jahre alt: Man legt eine Absicht in einen Gegenstand, damit sie einem nicht abhandenkommt. Und wer schon einmal gemerkt hat, dass die eigene Hand an einer Kette liegt, ohne dass es je entschieden wurde, weiß, wie gut das funktioniert.

Den Amethyst heute tragen — Pflege, Echtheit, Anlässe

Das Violett verhält sich zu allem anders. Neben Silber wird es kühl und fast blau, neben warmem Metall dunkelt es ins Rötliche, auf Schwarz leuchtet es und auf Erdtönen wird es ruhig. Es ist eine Farbe, die auffällt, ohne dass man sie ansagen muss — man sieht sie erst auf den zweiten Blick, und dann sieht man nichts anderes mehr.

Verschenkt wird der Stein meistens an Schwellen. Zum Februar-Geburtstag, weil er der Geburtsstein dieses Monats ist und in den gängigen Zuordnungen den Sternzeichen Wassermann und Fische zufällt. Vor einem Umzug, einer Prüfung, einer Entscheidung, bei der jemand einen klaren Kopf brauchen wird. An Menschen, die gerade zwischen zwei Zuständen stehen und nicht wissen, welcher der nächste ist — ein guter Zeitpunkt für ein Zeichen, das genau davon handelt.

Er hat eine Empfindlichkeit, und sie passt zu ihm: Licht. Monate in der direkten Sonne ziehen ihm die Farbe heraus, und sie kommt nicht zurück. Ein Amethyst, der nicht getragen wird, gehört ins Dunkle — wie die Kammer, aus der er kam. Zum Reinigen genügen lauwarmes Wasser und ein weiches Tuch; Ultraschall und scharfe Mittel sind tabu.

Echtheit erkennt man am ehesten an der Unregelmäßigkeit. Natürlicher Amethyst ist selten gleichmäßig gefärbt: Er hat Zonen, Schlieren, hellere Stellen, oft einen dunkleren Kern zur Spitze hin. Ein Stein von makelloser, überall identischer Farbe zu einem sehr kleinen Preis ist meistens Glas oder im Labor gezogen. Das ist nichts Schlechtes — es sollte nur dabeistehen. Der echte sieht aus, als wäre er irgendwo gewesen.

Amethyst bei Runental

Wir haben unseren Amethyst-Stücken Namen gegeben, bevor wir wussten, warum sie zusammengehören.

Amethyst-Schmuck von Runental auf dunklem Holz mit Heidekraut, Kerze und Amethyst-Rohsteinen

Der Knoten der Seherin, weil ein keltischer Knoten kein Ende hat und die Frau, die in die Zukunft sah, in beide Richtungen schauen musste. Der Traum von Nemeton, nach der Lichtung, die weder Wald noch Feld war. Und Atem der Dämmerung, nach der Stunde, in der dieses Violett tatsächlich in der Landschaft steht. Dazu die Distel der Highlands, bei der das Violett nicht aus dem Stein allein kommt, sondern aus der Blüte, die ihn hält.

Erst später fiel uns auf, dass alle diese Namen von derselben Sache handeln: von der Schwelle. Der Amethyst Schmuck aus unserer Collection sitzt in 925 Sterling Silber, das Violett bleibt so, wie der Stein gewachsen ist — nicht erhitzt, nicht nachgefärbt.

Wer sehen will, welche Steine wir sonst noch verarbeiten — Onyx, Granat, Mondstein, Achat —, findet sie im mythologischen Schmuck. Jeder von ihnen hat eine Farbe, die von irgendwoher kommt.

Häufige Fragen zum Amethyst

Was ist die Bedeutung des Amethyst?

Sein Name kommt aus dem Griechischen und heißt „nicht berauscht" — man trank aus Amethystbechern in der Hoffnung, klar zu bleiben. In der Symbolik steht der Amethyst bis heute für Klarheit, Ruhe und den Übergang zwischen den Welten. Diese Bedeutung hat sich über zweieinhalbtausend Jahre kaum verändert, nur die Menschen, die ihn trugen, wurden andere.

Welche Wirkung wird dem Amethyst nachgesagt?

In der Steinheilkunde wird die Wirkung des Amethyst als beruhigend beschrieben, häufig verbunden mit Schlaf, Konzentration und dem Stirnchakra. Die Griechen erhofften sich von ihm einen klaren Kopf beim Wein, das Mittelalter setzte ihn an die Hand derer, die Haltung bewahren sollten. Was Menschen diesem Stein zuschreiben, kreist seit zweieinhalbtausend Jahren um dieselbe Sache.

Amethyst Wirkung und Amethyst Bedeutung — worin liegt der Unterschied?

Die Bedeutung ist das, wofür der Stein steht: Klarheit und die Schwelle zwischen zwei Zuständen, seit dem griechischen Namen. Die Wirkung ist das, was Menschen von ihm erhofften — vom Trinkbecher in Athen bis zum Amethyst Stein unter dem Kopfkissen. Das eine ist überliefert, das andere geglaubt, und der Unterschied ist größer, als die meisten Texte über diesen Stein zugeben.

Ist der Amethyst ein Heilstein?

In der Steinheilkunde zählt er zu den bekanntesten Heilsteinen überhaupt und wird dort mit Ruhe und Klarheit verbunden. Bemerkenswert daran ist die Beständigkeit: Vom griechischen Trinkbecher über den Bischofsring bis zum Stein unter dem Kopfkissen suchen Menschen bei ihm seit zweieinhalbtausend Jahren dasselbe.

Wie lädt man einen Amethyst auf?

In der Steinheilkunde legt man ihn dafür über Nacht ins Mondlicht oder auf eine Bergkristallgruppe; manche stellen ihn zum Aufladen auch nur kurz ans Fenster. Direkte Sonne sollte man dabei vermeiden, weil sie dem Stein tatsächlich etwas antut: Sie bleicht sein Violett dauerhaft aus.

Woher kommt die violette Farbe?

Von winzigen Eisenspuren im Quarz, verändert durch die Strahlung des Gesteins, in dem er wuchs. Deshalb ist der Amethyst chemisch derselbe Stein wie klarer Bergkristall — nur eben einer, der im Dunkeln eine Farbe entwickelt hat. Erhitzt man ihn, wird er gelb; das verkauft der Handel dann als Citrin.

Was ist eine Amethystdruse?

Eine Gasblase in erstarrter Lava, deren Wände über Millionen Jahre mit Kristallen zugewachsen sind — Geologen nennen so etwas eine Geode. Von außen ein grauer Stein, von innen eine violette Höhle. Die größten sind über zwei Meter hoch, und wer eine aufsägt, ist der erste Mensch, der hineinsieht.

Was ist grüner Amethyst?

Meistens ein Amethyst, den man erhitzt hat, bis das Violett ins Grüne kippte — mineralogisch heißt er dann Prasiolith. Grün kommt in der Natur nur äußerst selten vor. Dasselbe Verfahren macht aus Amethyst auch den gelben Citrin; es ist immer derselbe Quarz.

Wie erkennt man einen echten Amethyst?

An der Unregelmäßigkeit. Natürlicher Amethyst hat Farbzonen, Schlieren und meist einen dunkleren Bereich zur Kristallspitze hin. Eine überall exakt gleiche, makellose Farbe zu einem sehr niedrigen Preis spricht für Glas oder einen synthetisch gezogenen Stein. Beides ist legitim, sollte aber ausgewiesen sein.

Stimmt die Sage von Dionysos und dem Mädchen Amethystos?

Sie wird überall erzählt, stammt aber nicht aus der Antike, sondern von dem französischen Dichter Rémy Belleau, der sie 1576 aufschrieb. In keinem griechischen Text kommt eine Nymphe dieses Namens vor. Er hat sie so genau nach altem Muster gebaut, dass sie seit vierhundertfünfzig Jahren als Überlieferung gilt — was sie zu einer der erfolgreichsten erfundenen Sagen Europas macht.

Hat der Amethyst eine keltische Bedeutung?

Überliefert ist keine — der Stein taucht in keltischen Funden nicht auf. Was die Kelten kannten, war die Farbe: die Dämmerung, in der nach ihrer Vorstellung die Grenze zur Anderswelt dünn wurde, und das Heidekraut auf den Hügeln vor Samhain. Wer den Amethyst gegen dieses Licht hält, sieht dieselbe Stunde im Stein.

Für welches Sternzeichen ist der Amethyst?

Er ist der Geburtsstein des Monats Februar und fällt in den gängigen Zuordnungen dem Wassermann und den Fischen zu — beides Zeichen, die im Jahreskreis dort stehen, wo der Winter noch nicht gegangen und der Frühling noch nicht da ist. Der Stein der Schwelle für die Monate der Schwelle.

Wie reinigt und pflegt man Amethyst-Schmuck?

Lauwarmes Wasser, ein weiches Tuch, kein Ultraschall und keine scharfen Reiniger. Das Wichtigste ist der Schutz vor Licht: Direkte Sonne bleicht die Farbe über Monate dauerhaft aus. Wenn er ruht, sollte er dunkel liegen — so wie die Kammer, in der er gewachsen ist.

Warum ist Amethyst heute so viel günstiger als früher?

Weil er nicht mehr selten ist. Bis ins 19. Jahrhundert stand er im Preis neben Rubin und Smaragd, dann fanden ausgewanderte Idar-Obersteiner Schleifer in Südbrasilien Kammern von der Größe eines Zimmers, und ab 1834 kamen die ersten Lieferungen zurück nach Deutschland. Am Stein selbst hat sich seither nichts geändert, nur an seinem Preis.

Zwischen den Zeiten

Die Stunde vor Sonnenaufgang dauert nicht lange. Zwanzig Minuten vielleicht, im Winter etwas mehr, und man muss wach sein, um sie zu erwischen. Danach entscheidet sich der Himmel und wird Tag, und das Violett ist weg, als hätte es nie dort gestanden.

Der Stein hält es fest. Das ist alles, was er tut, und es ist mehr, als es klingt: Er nimmt eine Farbe, die man nur bekommt, wenn man früh genug aufsteht, und macht sie tragbar. Ein Mann in Athen hat aus ihm getrunken, ein Bischof hat ihn an der Hand getragen, eine Frau in Idar hat ihn ausgepackt, ohne zu wissen, was er einmal wert sein würde. Und irgendwann liegt er in einer Hand, wird warm und gehört dazu.

Wenn dich diese Welt weiter interessiert, dann geh hinein: zu den Kelten und ihren Mythen, aus deren Bildsprache die Namen unserer Stücke kommen. Der Amethyst ist der erste Stein, über den wir hier erzählen. Die anderen warten schon.

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