La Catrina Bedeutung – Mexikos Dame des Todes

La Catrina ist die elegante Totenfrau Mexikos, ein lächelnder Schädel unter einem ausladenden Blumen- und Federhut. Die Bedeutung von La Catrina liegt in einem einzigen Gedanken: Rang, Reichtum und Eitelkeit enden an der Schwelle des Todes. Sie steht für eine Haltung, die dem Sterben nicht ausweicht, sondern es geschmückt empfängt. Als Gesicht des Día de los Muertos führt sie durch jene Nächte Anfang November, in denen die Toten nach Hause kommen dürfen.

Frau mit Catrina-Gesichtsbemalung und grossem Federhut im Kerzenlicht auf einem Friedhof

Der Weg zum Friedhof ist orange. Jemand hat Blütenblätter gestreut, von der Haustür bis zum Tor, eine Handvoll alle paar Schritte, damit die Spur nicht abreißt. Zwischen den Gräbern brennen Kerzen in Gläsern, Familien sitzen auf Decken, es wird gegessen, gesungen, gelacht. Ein alter Mann erzählt seiner toten Schwester, wer im Dorf geheiratet hat.

Und dann steht sie da. Groß, aufrecht, in einem Kleid, das für diese Erde zu fein ist. Auf dem Kopf ein Hut wie ein Wagenrad, Federn, Rosen, Blüten in den Augenhöhlen. Sie hat kein Gesicht, nur Knochen und ein Lächeln, das keiner ihr wegnehmen kann. Sie wartet nicht darauf, dass jemand erschrickt. Sie wartet darauf, dass jemand tanzt.

La Catrina auf einen Blick
Wer sie ist Die vornehm gekleidete Totenfrau Mexikos, Gastgeberin des Día de los Muertos
Was sie bedeutet Vor dem Tod sind alle gleich, und Erinnerung ist stärker als Verlust
Wann sie kommt Zum Totenfest, 1. und 2. November, in vielen Regionen ab dem 28. Oktober
Warum gefeiert wird Weil die Toten in diesen Nächten heimkommen dürfen und als Gäste erwartet werden
Wie man feiert Hausaltar mit Foto und Lieblingsessen, Blütenpfad zur Tür, Nachtwache am Grab
Woher sie stammt Aus dem Totenglauben der Mexica, ihre heutige Gestalt aus dem Mexiko um 1910
Was sie heute ist Weltweit erkanntes Zeichen für Erinnerung: auf Haut, auf Stoff, in Millionen Gesichtern

Inhaltsverzeichnis

Wer ist La Catrina und warum lächelt sie?

Fangen wir bei dem an, was jedem zuerst auffällt: dem Hut.

Er ist zu groß. Er ist zu teuer. Er ist reine Eitelkeit, und er sitzt auf einem Schädel. Darin liegt ihre ganze Aussage: Sie zeigt dir, wie weit dein Rang reicht. Bis zur Schwelle. Keinen Schritt weiter. Danach sind alle gleich fein angezogen.

Das ist keine Drohung, sondern eine Erleichterung. Wer das begriffen hat, trägt weniger mit sich herum. Und genau deshalb ist sie kein Schreckbild, sondern eine Gastgeberin: Sie steht am Eingang der Nächte, in denen die Toten heimkommen, und sorgt dafür, dass dabei niemand ein trauriges Gesicht macht.

Was man an ihr sieht Was darin gelesen wird
Das Lächeln des Schädels Kein Drohen, sondern Einverständnis mit der eigenen Endlichkeit
Blüten in den Augenhöhlen Leben, das aus dem Vergangenen weiterwächst
Das feine Kleid Würde: der Tod wird empfangen, nicht versteckt
Rosen und Ringelblumen Zuwendung: man schmückt jemanden, den man liebt
Bemaltes Gesicht am Festtag Für eine Nacht die Seite wechseln und den Toten nahe sein

Bleibt die Frage, die schwerer zu beantworten ist: Warum kann ein ganzes Land dem Tod so entgegentreten? Die Antwort liegt tiefer als jeder Hut, neun Ebenen tiefer.

Woher sie kommt: neun Ebenen, vier Jahre, ein Hund

Die Überlieferung der Mexica, jener Kultur, die wir heute meist Azteken nennen, erzählt von Mictlán, dem Ort ganz unten. Wer nicht im Kampf fiel und nicht im Kindbett starb, ging dorthin. Nicht als Strafe. Als Reise. Neun Ebenen tief, vier Jahre lang.

Gleich am Anfang liegt ein Fluss, breit und schwarz, den niemand allein durchquert. Deshalb, so erzählen die Sagen, gab man den Toten einen Hund mit: einen Xoloitzcuintle, haarlos, warm, unbestechlich. Er kennt die Furt. Er trägt seinen Menschen hinüber, wenn dieser ihn im Leben gut behandelt hat. Wer seinen Hund geschlagen hat, steht am Ufer und wartet.

Danach kommen die Berge, die aufeinander zuschlagen und wieder auseinanderfahren, und man muss den einen Moment treffen, in dem sie offen stehen. Dann eine Ebene, über die ein Wind fährt, der aus Obsidianmessern besteht und dem Toten nimmt, was er noch am Leib trägt: Kleider, Schmuck, zuletzt das Fleisch. Man kommt nicht als der unten an, der man oben war. Man kommt als Knochen an.

Ganz unten, auf der neunten Ebene, wartet ein Thron mit zwei Gestalten darauf. Mictlantecuhtli, der Herr. Und neben ihm, still, geschmückt, mit einem Rock aus Schlangen: Mictēcacihuātl, die Herrin der Toten. Ihr Amt ist es, über die Gebeine zu wachen. Nicht sie einzusammeln wie ein Sammler. Sie zu hüten wie etwas Kostbares, das man wiederbrauchen wird.

Denn Knochen sind in diesen Erzählungen kein Abfall. Sie sind Samen. Aus Gebeinen der Vorzeit, heißt es, wurden die Menschen dieser Welt gemacht: gemahlen, mit Blut vermischt, neu geformt. Wer damit aufwächst, wird den eigenen Schädel schwer für ein Ende halten können.

Und wenn der Tod nur eine Reise ist, dann kann man von einer Reise auch zurückkommen.

Warum die Toten gefeiert werden

Hier liegt der Punkt, an dem viele Europäer das Fest missverstehen. Der Día de los Muertos ist kein Gedenktag, an dem man traurig an jemanden denkt. Er ist ein Besuchstag. Man erwartet, dass sie kommen.

Die Vorstellung dahinter ist einfach und hart: Der Tod ist nicht das Schlimmste, was einem passieren kann. Vergessen werden ist das Schlimmste. Solange jemand deinen Namen ausspricht, dein Foto hinstellt, dein Lieblingsessen kocht, bist du nicht wirklich fort, dann hast du einmal im Jahr einen Grund, den Weg zurück anzutreten. Hört das auf, verlischt du zum zweiten Mal, und dieses Mal endgültig.

Deshalb ist das, was in diesen Nächten geschieht, keine Zeremonie für die Lebenden. Es ist ein Dienst an den Toten. Man kocht für sie. Man räumt für sie auf. Man legt ihnen den Weg. Und man sorgt dafür, dass sie sich willkommen fühlen, damit sie nächstes Jahr wiederkommen.

Bleibt eine praktische Frage: Wie findet jemand nach vier Jahren Unterwelt überhaupt noch nach Hause? Dafür gibt es eine Blume und eine Geschichte dazu.

Die Legende der Blume, die den Weg zeigt

Pfad aus orangenen Ringelblumenblaettern durch eine Gasse in der Abenddaemmerung

Die orangene Ringelblume, die cempasúchil, fehlt auf keinem Altar. Die Geschichte, die man sich über sie erzählt, steht in keinem Codex. Sie wird weitergegeben, seit Generationen, und sie erklärt mehr über dieses Fest als jede Definition.

Zwei junge Menschen liebten sich, Xóchitl und Huitzilin. Sie stiegen auf einen Berg, der der Sonne geweiht war, und legten dort Blumen nieder, und die Sonne segnete ihre Liebe. Dann kam der Krieg, und Huitzilin fiel.

Xóchitl ging zurück auf den Berg und bat um eines: dass sie ihn wiedersehen dürfe. Ein Sonnenstrahl fiel auf sie, und wo er sie traf, wurde sie zu einer Blume, hart geschlossen, mit zwanzig Blütenblättern, in der Farbe des Feuers. Lange geschah nichts. Bis ein Kolibri kam und sich in ihr Herz setzte. In diesem Moment öffnete sich die Blüte, und ihr Duft ging über das ganze Tal.

Seither, sagt man, riecht die cempasúchil so scharf, dass ein Toter sie noch aus Mictlán wahrnimmt. Deshalb streut man ihre Blätter als Pfad. Nicht weil es hübsch aussieht. Weil man einem Menschen den Heimweg leuchtet.

Der Tisch, den man den Toten deckt

Ofrenda mit brennenden Kerzen, Ringelblumen und einem Bilderrahmen auf gestuftem Altar

Ende Oktober beginnt in vielen Häusern das Aufräumen, nicht für Nachbarn, sondern für die, die schon länger fort sind. Auf einem Tisch wächst die ofrenda, der Totenaltar: kein Schrein zum Anschauen, sondern eine gedeckte Tafel und ein Wegweiser in einem. Klassisch baut man sie in Stufen, zwei für Himmel und Erde, drei mit dem Fegefeuer dazwischen, sieben für die Stationen, die eine Seele hinter sich bringen muss.

Ganz oben steht das Foto. Alles andere ordnet sich darunter, und nichts davon ist Dekoration. Als erstes kommt ein volles Glas Wasser hin, gegen den Durst nach vier Jahren Weg. Daneben ein Häufchen Salz, manchmal als Kreuz gelegt, damit der Körper auf dem Rückweg nicht verdirbt. Dann die Kerzen. Dann Copal-Harz auf glühender Kohle, dessen Rauch den Raum reinigt und die Einladung nach oben trägt.

Über alle Stufen werden orangene Ringelblumen gestreut, dieselben, die draußen den Pfad bilden. Dazu kommt das pan de muerto, ein süßes Hefebrot mit Teigknochen kreuzweise auf der Kruste und einer Kugel obenauf, die den Schädel meint. Es ist das Brot, das man mit den Toten teilt, solange sie da sind. Daneben stehen kleine Zuckerschädel, international als Sugar Skulls bekannt, mit einem Namen auf der Stirn, und zwar oft dem eines Lebenden. Man verschenkt sie unter Freunden, halb im Scherz: Auch du bist gemeint.

Über dem Ganzen hängt papel picado, durchbrochenes Seidenpapier. Wenn es sich bewegt, ohne dass ein Fenster offen steht, dann weiß die Familie, dass jemand eingetreten ist. Und ganz unten, neben dem Essen, steht bei manchen eine kleine Hundefigur aus Ton: der Xoloitzcuintle, der über den schwarzen Fluss trägt.

Das Essen selbst richtet sich nicht danach, was man selbst mag. Es gibt Mole und Tamales, weil er Mole und Tamales mochte, dazu seinen Mezcal und die Zigaretten, die er nie lassen konnte. Man bewirtet keinen Gast mit dem eigenen Geschmack.

Und dann ist da ein Glaube, der viel über dieses Fest verrät: Die Toten rühren die Speisen nicht an. Sie nehmen ihre Essenz, den Duft, die Wärme, den Geschmack. Wer am 3. November die Tamales vom Altar isst, wird deshalb sagen, dass sie fad schmecken. Nicht weil sie schlecht geworden sind. Weil jemand schon davon genommen hat.

Fertig sein muss alles Ende Oktober. Denn nicht alle kommen gleichzeitig: In vielen Regionen wird zuerst denen ein Licht vor die Tür gestellt, die plötzlich oder gewaltsam starben, sie kommen unruhig und bleiben nicht lange. Der 1. November gehört den angelitos, den verstorbenen Kindern, für die Süßes und Spielzeug bereitliegen und niemals Alkohol. Der 2. November gehört den erwachsenen Toten, und dann wird die Nacht lang. Am Abend zuvor schlagen in manchen Dörfern die Glocken oder es steigt Feuerwerk auf, ein Signal nach unten: Der Tisch steht. Ihr könnt kommen.

Wie die Nacht abläuft

Mexikanischer Dorffriedhof mit hunderten Kerzen und Blumen in der Abenddaemmerung

Am Abend geht die Familie auf den Friedhof, und sie geht nicht für eine Viertelstunde. Man bringt Decken mit, Eimer, Bürsten, Essen, eine Gitarre. Das Grab wird geputzt, das Unkraut gezogen, ein Bogen aus Ringelblumen darüber gebunden. Dann wird gedeckt. Dann bleibt man.

In Michoacán, auf der Insel Janitzio im Pátzcuaro-See, wachen die Familien der Purépecha die ganze Nacht bei Kerzenlicht. Vom Ufer aus sieht der Friedhof aus, als schwebe ein Lichterfeld über dem Wasser. In Oaxaca ziehen Umzüge mit Blaskapellen durch die Gassen, und die Comparsas tanzen bis in den Morgen. In Guanajuato füllen sich die Gassen der Altstadt.

Anfang November kommen die Monarchfalter. Millionenfach, nach dreitausend Kilometern aus dem Norden, ausgerechnet in den Bergwäldern von Michoacán, ausgerechnet pünktlich zum Fest. In den Dörfern sagt man, dass die Toten in ihnen reisen. Wer einmal gesehen hat, wie ein ganzer Baum orange wird und sich bewegt, wird das nicht wegdiskutieren wollen.

Und geschrieben wird auch: calaveras literarias, gereimte Verse, in denen der Tod jemanden holt, der noch quicklebendig ist. Den Bürgermeister. Den Chef. Die eigene Schwester. Sie werden gedruckt, vorgelesen, herumgereicht. Ein Brauch, in dem man einem Menschen zu Lebzeiten sein Ende in Versform überreicht, und er bedankt sich dafür.

Nicht jede Tote wird eingeladen

La Catrina ist nicht die einzige Frauengestalt, die in diesen Nächten durch Mexiko geht. Und sie sind nicht austauschbar: Wer sie verwechselt, verwechselt Trost mit Warnung.

Am Wasser geht La Llorona um, die Weinende. Die Sage erzählt von einer Frau, die von dem Mann verlassen wurde, für den sie alles aufgab, und die ihre Kinder im Fluss ertränkte, und die seither an den Ufern sucht und ruft. Sie bekommt keinen Altar. Sie findet keinen Weg zurück, weil niemand ihr den Weg legt. Sie ist die Kehrseite dieser Nächte: das, was passiert, wenn eine Tote nirgends ankommt und nirgends erwartet wird. Wenn irgendwo am Wasser ein Weinen zu hören ist, sagt man in den Dörfern, geh nicht hin.

Und dann ist da noch Santa Muerte, das knöcherne Heiligenbild mit Sense und Kutte, dem Millionen still ihre Kerzen anzünden, eine Volksfrömmigkeit ohne kirchlichen Segen, in Mexiko selbst umstritten. Sie gehört nicht zum Fest. Sie hat ihre eigenen Altare, das ganze Jahr über.

Gestalt Herkunft Wofür sie steht Zum Fest?
La Catrina Zeichnung 1910 Eleganz vor dem Tod, Gleichheit, Erinnerung Ja, sie ist sein Gesicht
El Catrín Künstlerischer Gegenpart Dieselbe Aussage im Frack Ja, als ihr Begleiter
Mictēcacihuātl Mexica, Mictlán Hüterin der Gebeine in der Unterwelt Nur als Wurzel
La Llorona Sage, an Flüssen Schuld, Verlust, ruhelose Suche Nein, die Ungeladene
Santa Muerte Volksfrömmigkeit Schutz für die, denen sonst niemand hilft Nein, eigener Kult
Calavera Der Schädel selbst Das eigene Ende, freundlich angeschaut Ja, überall

Und der Herr an ihrer Seite: El Catrín

Eine Kleinigkeit, die kaum jemand weiß: Sein Name war zuerst da.

Catrín heißt im mexikanischen Spanisch der Geck, der feine Herr, einer der sich herausputzt und es zeigen will. Catrina ist schlicht die weibliche Form davon. Als Diego Rivera der Schädeldame 1947 ihren Namen gab, benannte er sie also nach einem Männertyp, den in Mexiko jeder kannte, und drehte den Spott damit gleich mit um.

Als Figur ist El Catrín jung. Er hat keine eigene Sage, keinen eigenen Kult und keine Wurzel in Mictlán. Er entstand aus dem Bedürfnis, ihr jemanden an die Seite zu stellen: schwarzer Frack, Zylinder, Gehstock, ein gemalter Schnurrbart über dem Kieferknochen, oft eine Ringelblume im Knopfloch. Bei den Paraden geht er neben ihr, auf Altaren steht er als Figur daneben, und in Tattoo-Studios wird er gern als Gegenstück zu einer bereits vorhandenen Catrina gestochen: zwei Menschen, zwei Motive, dieselbe Aussage.

Und die ist bei ihm keine andere. Der Zylinder nützt genauso wenig wie ihr Federhut. Vielleicht ist er sogar der ehrlichere von beiden: der ursprünglich Verspottete, der irgendwann aufhörte sich zu wehren und einfach mitging.

Und was hat das mit Halloween zu tun?

In Deutschland landen die beiden regelmäßig im selben Topf. Ende Oktober, Schädel, bemalte Gesichter, also dasselbe in bunt? Nicht ganz. Aber „gar nichts miteinander zu tun“ wäre auch zu viel behauptet.

Es gibt genau eine echte Verbindung, und die ist der Kalender. Der 1. und 2. November sind Allerheiligen und Allerseelen. Die Spanier brachten diese Tage nach Mexiko, wo sie sich mit den vorhandenen Totenbräuchen verbanden, und daraus wurde der Día de los Muertos. Halloween ist der Abend davor, All Hallows’ Eve, in seiner heutigen Form über Irland und Schottland in die USA gewandert und von dort zurück nach Europa.

Zwei Äste also, die am selben kirchlichen Datum hängen, aber auf verschiedenen Kontinenten aus verschiedenen Wurzeln gewachsen sind. Verwandte über die Ecke, keine Geschwister. Und in ihrer Absicht laufen sie in entgegengesetzte Richtungen: An Halloween verkleidet man sich, um etwas fernzuhalten. Am Día de los Muertos schmückt man sich, um jemanden hereinzubitten.

Día de los Muertos Halloween
Wann 1. und 2. November Abend des 31. Oktober
Woher Mesoamerikanische Totenbräuche, verbunden mit Allerseelen Irisch-schottische Bräuche, über die USA populär
Im Mittelpunkt Die eigenen Verstorbenen, mit Namen und Foto Gespenster und Gestalten im Allgemeinen
Wo Zu Hause am Altar und nachts am Grab Auf der Straße, an Haustüren, auf Partys
Das Gesicht Schmuck für einen Festtag, Nähe zu den Toten Kostüm, Spiel mit dem Erschrecken
Stimmung Wiedersehen, Dankbarkeit, Familie Schauer, Übermut, Vergnügen

In Mexiko selbst ist das übrigens keine akademische Frage. Seit den Achtzigern drängt das amerikanische Halloween ins Land, und viele Familien sehen es ungern, wenn Kinder am 31. Oktober lieber Süßigkeiten sammeln gehen, als beim Altar zu helfen. Andere leben beides nebeneinander und finden nichts dabei. Die Debatte läuft bis heute, was vor allem eines zeigt: Der Día de los Muertos ist kein Museumsstück, sondern ein Fest, um das gestritten wird, weil es Menschen wichtig ist.

La Catrina heute, Stand 2026

Naechtlicher Umzug zum Tag der Toten in einer beleuchteten Altstadtgasse

Ihre heutige Gestalt bekam sie nicht in einem Tempel, sondern in einer Druckerei. Um 1910 stach der Grafiker José Guadalupe Posada für ein Flugblatt einen Schädel mit einem monströsen europäischen Damenhut und nannte ihn La Calavera Garbancera, Spott über jene, die ihre indigene Herkunft verleugneten, um vornehmer zu wirken. Diego Rivera holte sie 1947 in sein großes Wandbild in der Alameda Central, gab ihr einen ganzen Körper, ein Federkleid und den Namen, unter dem sie heute bekannt ist. Auf dem Bild steht sie in der Mitte, Posada an ihrem einen Arm, Frida Kahlo hinter ihr, der Maler selbst als Junge an ihrer Hand, mitten unter Lebenden, als wäre nichts dabei.

Von dort ging sie hinaus in die Welt. Seit 2016 zieht jeden Herbst eine große Totenparade durch Mexiko-Stadt, mit Hunderttausenden bemalter Gesichter, eine junge Tradition, die das Land selbst geschaffen und zu seiner gemacht hat. Pixars Coco hat 2017 einer Weltgeneration nebenbei erklärt, was eine ofrenda ist und warum das Foto darauf steht. Davor hatte The Book of Life dieselbe Bilderwelt erzählt.

Heute, 2026, ist sie überall: in Musikvideos, auf Laufstegen, in Tattoo-Studios von Berlin bis Tokio. In deutschen Städten stehen inzwischen öffentliche ofrendas, aufgebaut von mexikanischen Gemeinden und Kulturinstituten, zu denen jeder ein Foto bringen darf. Was hierzulande oft als La-Catrina-Kostüm gesucht wird, ist dort schlicht festliche Kleidung für einen bestimmten Abend: Man zieht sich an, weil Besuch kommt.

Und darin liegt der Punkt, der bei aller Verbreitung zählt: Wer La Catrina trägt, trägt eine Einladung zum Erinnern, an die eigenen Toten, mit den eigenen Namen. So ist sie gemeint, und so funktioniert sie auch weit weg von Oaxaca.

Als Tattoo und als Schmuck

In der Tattoo-Kultur gehört sie zu den meistgestochenen Frauenmotiven überhaupt. Und fast nie steht sie dabei für den Tod im Allgemeinen, sondern für eine bestimmte Großmutter, eine bestimmte Freundin, einen Namen. Die Blumen im Haar sind dann keine Zier, sondern eine Geste: Man schmückt jemanden, den man liebt.

Gestochen wird sie meist groß, weil der Hut Platz braucht: Oberarm, Oberschenkel, Wade, oft in schwarzgrauer Linienarbeit mit einem farbigen Akzent bei den Ringelblumen. Wer sie mit einem Datum kombiniert, macht aus dem Motiv eine Gedenkzeile.

Auf Stoff und als Schmuck funktioniert sie anders als unter der Haut: Man kann sie an manchen Tagen tragen und an anderen nicht. Wer das Motiv erst kennenlernen möchte, bevor es endgültig wird, findet es in unserer La Catrina Collection.

Das Zeichen tragen bei Runental

Vier Shirts mit La-Catrina-Motiven neben Ringelblumen und Kerzen auf dunklem Untergrund

Für uns bei Runental ist La Catrina die Gegenfigur zu allem, was Vergänglichkeit klein und leise machen will. Sie ist geschmückt, aufrecht und unerschrocken. Unsere Motive folgen ihrer Bildsprache: Blüten statt Augen, Zuckerschädel-Ornamentik, Federn, Ranken, dieses ruhige Lächeln unter der Krempe. Wer sie trägt, trägt ihre Haltung ein Stück weit mit: geschmückt statt geduckt.

Wenn das Motiv eher in deinen Alltag als in den Festtag gehört, führt der Weg über unsere mystische Damenbekleidung, wo sie neben keltischen und nordischen Motiven hängt. Und wer den Frack statt des Federhuts sucht, wird bei den Herren T-Shirts mit Symbolkraft fündig.

Auch ein Geschenk für jemanden, der jemanden verloren hat. Ein Zeichen für Erinnerung braucht keine Erklärung: Man muss nichts über Mictlán wissen, damit es ankommt.

Häufige Fragen zu La Catrina und Día de los Muertos

Was bedeutet La Catrina?

La Catrina ist die elegante weibliche Totenfigur Mexikos: ein lächelnder Schädel mit großem Blumen- und Federhut. Sie steht dafür, dass Reichtum, Stand und Eitelkeit vor dem Tod bedeutungslos werden, und für einen Umgang mit Sterblichkeit, der den Tod schmückt statt ihn zu verschweigen.

Woher kommt La Catrina ursprünglich?

Sie geht auf eine Radierung des mexikanischen Grafikers José Guadalupe Posada zurück, die um 1910 als La Calavera Garbancera entstand und die Anpassung an europäische Mode verspottete. Diego Rivera gab ihr 1947 in seinem Wandbild in der Alameda Central einen ganzen Körper und den Namen La Catrina.

Was bedeutet der Name La Catrina?

Der Name kommt vom mexikanischen Wort catrín für einen elegant gekleideten, eitlen Herrn; catrina ist die weibliche Form und meint die Vornehme. Der Spott steckt schon im Namen: Sie ist herausgeputzt, und darunter sind Knochen.

Wie heißt der männliche Gegenpart zu La Catrina?

Er wird El Catrín genannt: ein Skelett im Frack mit Zylinder, Gehstock und gemaltem Schnurrbart. Anders als sie hat er keine eigene Überlieferung und keinen eigenen Kult; er entstand als künstlerisches Gegenstück und begleitet sie bei Paraden und auf Altaren.

Wann ist der Día de los Muertos?

Haupttage sind der 1. November für verstorbene Kinder und der 2. November für die erwachsenen Toten. In vielen Regionen beginnen die Vorbereitungen schon am 28. Oktober, wenn den plötzlich Verstorbenen ein Licht vor die Tür gestellt wird.

Wie feiert man den Día de los Muertos?

Man baut zu Hause einen Altar mit Foto, Kerzen, Wasser, Salz und dem Lieblingsessen des Verstorbenen und streut einen Pfad aus Ringelblumen bis zur Tür. Am 1. und 2. November zieht die Familie auf den Friedhof, schmückt das Grab und bleibt oft die ganze Nacht, mit Essen, Musik und Geschichten.

Warum wird der Tod in Mexiko gefeiert und nicht betrauert?

Weil in dieser Tradition nicht das Sterben als das Schlimmste gilt, sondern das Vergessenwerden. Solange jemand den Namen ausspricht und den Tisch deckt, hat der Tote einen Grund zurückzukommen. Das Fest ist deshalb ein Empfang und keine Trauerfeier.

Was gehört auf eine ofrenda?

Auf den Totenaltar gehören das Foto des Verstorbenen, Kerzen, ein Glas Wasser, Salz, Copal-Räucherwerk, orangene Ringelblumen, Pan de muerto, Zuckerschädel, Papel picado und das Lieblingsessen. Klassisch wird er in zwei, drei oder sieben Stufen aufgebaut.

Ist der Día de los Muertos dasselbe wie Halloween?

Nein. Beide hängen am christlichen Kalender um Allerheiligen, sind aber auf verschiedenen Kontinenten aus verschiedenen Wurzeln gewachsen. Der Día de los Muertos ist ein Familienfest der Erinnerung mit Altar und Friedhofswache; Halloween kommt aus irisch-schottischen Bräuchen und wurde über die USA populär.

Was ist der Unterschied zwischen La Catrina und La Llorona?

La Catrina ist die festlich gekleidete Gastgeberin des Totenfests und steht für Erinnerung; La Llorona ist die weinende Frau aus der Sage, die an Flüssen nach ihren Kindern sucht und keinen Altar bekommt. Die eine wird eingeladen, die andere gemieden.

Ist La Catrina eine aztekische Göttin?

Nicht im historischen Sinn. In der Überlieferung der Mexica wachte Mictēcacihuātl als Herrin der Toten über die Unterwelt Mictlán, und beide Figuren werden heute oft in einem Atemzug genannt. Eine belegte direkte Linie von ihr zu Posadas Zeichnung von 1910 gibt es jedoch nicht.

Was bedeutet ein La-Catrina-Tattoo?

Ein La-Catrina-Tattoo steht meist für das Andenken an einen bestimmten verstorbenen Menschen. Die Blumen im Haar gelten als Geste der Zuwendung, der Schädel als Bekenntnis zur eigenen Endlichkeit. Wie du das Motiv für dich liest, bleibt deine Entscheidung.

Warum sind die Blumen zum Totenfest orange?

Die orangene Ringelblume cempasúchil gilt als Wegweiser für die Heimkehrenden. Ihre Farbe und ihr scharfer Duft sollen den Toten den Weg vom Grab bis zum Altar zeigen, deshalb werden ihre Blütenblätter als Pfad auf den Boden gestreut.

Am Rand des Lichterfelds

Die Kerzen auf Janitzio brennen bis zum Morgen. Die Falter kommen jeden November über die Berge. Und irgendwo streut gerade jemand einen Pfad aus Blütenblättern von der Haustür bis zum Tor, weil er nicht will, dass sich jemand verläuft.

Vielleicht ist das die ganze Geschichte. Ein Land, das seine Toten nicht wegräumt, sondern ihnen einmal im Jahr den Tisch deckt, und eine Frau im Federhut, die dabei vorangeht.

Wenn dich die andere Nacht ruft, in der die Grenze dünn wird: Bei den Kelten hieß sie Samhain, und auch dort ließ man einen Platz am Tisch frei.

Passende Produkte

Frau trägt schwarzes Damen Organic Shirt „Catrina de las Rosas“ – inspiriert von La Catrina, Rosen und dem Día de los Muertos
Catrina de las Rosas - Damen Organic Shirt
€34,90
Frau trägt schwarzes Damen V-Neck Shirt „Catrina de las Rosas“ – inspiriert von La Catrina, den Rosen und der Magie des Día de los Muertos
Catrina de las rosas - Ladies V-Neck Shirt
€34,90
Frau trägt Damen Organic Shirt „Catrina de las Sombras“ in Schwarz – inspiriert vom Día de los Muertos, mit kunstvollem Catrina-Motiv, Rosen und Kerzen.
Catrina de las Sombras - Damen Organic Shirt
€34,90
Frau trägt schwarzes Damen Tanktop „Catrina de las Sombras“ – inspiriert von Mexico, Día de los Muertos und La Catrina
Catrina de las Sombras - Damen Tank-Top
€31,90
Frau trägt Catrina Deluxe Damen Tank Top in Weiss – Día de los Muertos inspiriertes Design, lässig und stilvoll kombiniert
Catrina Deluxe - Damen Tank Top
€31,90
Junge Frau trägt das Catrina Deluxe Damen V-Neck Shirt in Schwarz mit La Catrina Design, fotografiert in einem stilvollen mexikanischen Innenhof.
Catrina Deluxe - Damen V-Neck Shirt
€34,90
Junge Frau trägt das Catrina Felina Damen V-Neck Shirt in schwarz im Hintergrund eine Holzschnitt-Tür
Catrina Felina - Damen V-Neck Shirt
€34,90
Junge Frau im La Catrina Damen Shirt in elegantem Schwarz, inmitten einer traditionell geschmückten, ruhigen mexikanischen Straße während des Día de los Muertos – Runental.de
La Catrina - Damen Organic Shirt
€34,90

Hinterlasse bitte einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen

Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.