Onyx Stein – Bedeutung, Wirkung und die Nacht vor dem Tag

Es gibt eine Nacht, mit der der Tag beginnt.

Nächtliche Nordseeküste mit schwarzen Schieferklippen und nassen dunklen Steinen unter Sternenhimmel mit Polarlicht

Bei den Kelten war das keine Redewendung. Ein neuer Tag fing bei ihnen im Dunkeln an, mit dem Abend, nicht mit dem Morgen. Halte einen Onyx nah an eine Kerze: Er ist schwerer, als er aussieht, und kühl, und seine Oberfläche ist so glatt, dass die Flamme darin steht wie in einem Brunnen. Kippst du ihn ein wenig, ist sie fort. Was bleibt, ist dieses Schwarz — dicht, ruhig, ohne Schimmer. Die Farbe des Anfangs, bevor irgendetwas angefangen hat.

Kein anderer Stein hat seinen Ruf so oft gewechselt: vom Siegel der römischen Händler zum Stein der schweren Träume, von der Trauerbrosche zum Schmuck des Art déco. Wie er zu seinem Namen kam, warum fast jeder Onyx gefärbt ist und was ihm heute zugeschrieben wird — hier entlang.

Inhaltsverzeichnis

Onyx ist ein Quarz aus der Chalcedon-Familie. Sein Name heißt auf Griechisch „Fingernagel“, und seine Bedeutung kreist seit zweitausend Jahren um Beständigkeit und das Siegel eines Versprechens. Das Wichtigste auf einen Blick:

Mineral Chalcedon, eine Varietät des Quarzes
Farbe Tiefschwarz (Black Onyx), im alten Sinn auch schwarz-weiß gebändert
Härte 6,5 bis 7 auf der Mohs-Skala, alltagstauglich
Entstehung Schicht für Schicht aus kieselsäurehaltigem Wasser in Hohlräumen
Behandlung Schwarzer Onyx im Handel ist fast immer gefärbt
Fundorte Brasilien, Indien, Madagaskar, Uruguay
Schliff Meist Cabochon oder glatt poliert, um die Farbe zu zeigen
Sternzeichen Steinbock, 22. Dezember bis 20. Januar
Name Griechisch onyx — Fingernagel oder Kralle
Bedeutung Beständigkeit, Sammlung, das Siegel eines Versprechens

Der Nagel der Göttin — woher der Onyx seinen Namen hat

Die Sage vom Namen des Onyx – Eros schneidet der schlafenden Aphrodite die Nägel, die Moiren machen Stein daraus, daneben geschichtetes Gestein und eine Steinschneider-Werkstatt

Aphrodite ist am Ufer des Indus eingeschlafen, im warmen Sand. Ihr Sohn Eros sitzt neben ihr und hat nichts zu tun, und weil er nichts zu tun hat, nimmt er eine seiner Pfeilspitzen und schneidet der schlafenden Göttin die Fingernägel. Die feinen Splitter fallen ins Wasser, und er läuft davon.

Die Moiren, die drei Schicksalsgöttinnen, sehen sie im Fluss treiben. Was vom Körper einer Göttin stammt, darf nicht vergehen. Also machen sie Stein daraus — hell wie ein Nagel, mit einem rosigen Schimmer an der Kante. Seither trägt er ihren Namen: onyx, im Griechischen Nagel oder Kralle.

Dass die Geschichte am Indus spielt, ist kein Zufall. An diesem Fluss lagen Mohenjo-Daro und Harappa, die ältesten Steinschneider-Städte der Welt. Schon vor viertausend Jahren wurden dort Chalcedonperlen gebohrt, geätzt und poliert, und über die Handelswege gingen sie bis nach Mesopotamien. Von dort kam später auch der feinste Onyx nach Westen. Und der Onyx der Antike sah tatsächlich so aus, wie sie ihn beschreibt. Er war ein Stein in Schichten, weiß über braun, weiß über schwarz, wie ein Fingernagel über dem rosigen Nagelbett. Eine helle Lage über einer dunkleren, und dazwischen eine Kante, an der man hindurchzusehen glaubt. Das gleichmäßige Tiefschwarz, das wir heute mit seinem Namen verbinden, kam erst viel später in die Welt — und dafür brauchte es Zucker.

Zucker, Säure und ein Schleifer in Idar

Der Anfang des Steins ist Wasser. Es sickerte in Spalten im Gestein, verdunstete und ließ eine hauchdünne Lage zurück. Dann kam die nächste, mal heller, mal dunkler. Wenn du heute einen Onyx an der Kante gegen das Licht hältst, siehst du sie manchmal noch. Liegen die Lagen gerade, heißt der Stein Onyx. Biegen sie sich zu Ringen, heißt derselbe Stoff Achat.

Rein schwarz macht die Natur ihn fast nie. Im Hunsrück fanden die Schleifer von Idar-Oberstein im 19. Jahrhundert heraus, wie man nachhilft. Ein Schleifer legte graue, unscheinbare Chalcedonplatten für Wochen in eine süße Lösung aus Zucker und Wasser. Dann nahm er sie heraus, trocknete sie und gab sie in Säure. Als er die erste Platte aufschnitt, war sie durch und durch schwarz — so gleichmäßig, wie es kein Fundstück je gewesen war. Der Zucker war in die feinen Poren gezogen und dort zu Kohle geworden.

Heute kommt der Rohstein vor allem aus Brasilien, Indien, Madagaskar und Uruguay. Gefärbt wird er nach demselben Verfahren wie damals — so entsteht bis heute fast jeder schwarze Onyx im Handel. Es sind dieselben Täler, aus denen einst der europäische Amethyst kam. Der Stein bleibt dabei ein Naturstein — das Verfahren macht aus einem grauen Chalcedon einen, der aussieht wie die Nacht.

Schwarz, weiß, grün — die Arten des Onyx

Neun schwarze und gebänderte Steine im Vergleich – schwarzer Onyx, gebänderter Onyx, Sardonyx, Onyxmarmor, grüner und weißer Onyx, Obsidian und Gagat

Unter dem Namen Onyx wird im Handel Verschiedenes verkauft, und nicht alles davon ist einer. Echter Onyx ist immer ein Quarz, gleichmäßig schwarz oder in geraden Schichten. Die Übersicht zeigt, was sonst noch so heißt:

Name im Handel Was dahintersteckt
Schwarzer Onyx (Black Onyx) Chalcedon, fast immer gefärbt — der Onyx des heutigen Schmucks
Gebänderter Onyx Der Onyx im alten Sinn: dunkle und weiße Lagen — der Stein der Kameen
Sardonyx Rotbraune und weiße Lagen — in den klassischen Listen Geburtsstein des August
Nicolo Dunkle Lage unter einer bläulich-weißen Haut — bei römischen Siegelringen beliebt
Weißer, grüner, blauer Onyx Heller Chalcedon, gefärbter Chalcedon oder — häufiger — gebänderter Kalzit
Onyxmarmor Gebänderter Kalksinter, deutlich weicher — für Lampen, Schalen, Wandplatten
Obsidian Vulkanisches Glas, glasiger Glanz, scharfe Bruchkanten
Gagat (Jet) Versteinertes Holz, auffallend leicht und handwarm

Wenn du unsicher bist, hilft die Hand mehr als das Auge: Echter Onyx liegt schwer und bleibt lange kühl. Gagat ist federleicht, Onyxmarmor lässt sich mit dem Fingernagel ankratzen.

Was Menschen in ihm sahen: Siegel, Trauer, Art déco

Römischer Händler drückt einen Siegelring mit Onyx-Kamee in rotes Wachs auf einer Papyrusurkunde

Ein Händler in Rom drückt seinen Ring in warmes Wachs. Der Stein darin ist ein Onyx, klein, oval, mit einem Bild, das ein Steinschneider spiegelverkehrt hineingeschnitten hat: ein Kopf im Profil, vielleicht ein Gott, vielleicht der Händler selbst. Als er den Ring abhebt, steht das Bild erhaben im Wachs. Jetzt ist der Vertrag verschlossen, und jeder, der ihn öffnet, weiß, wer ihn geschlossen hat.

Der Onyx war in der Antike vor allem ein Stein, der bezeugt. Seine Härte machte das Siegel dauerhaft, seine Schichten machten es schön. Die Steinschneider lernten, die Lagen gegeneinander auszuspielen — eine helle Figur vor dunklem Grund, herausgearbeitet, bis sie zu schweben schien. So entstand die Kamee. Eine der berühmtesten der Welt, die Gemma Augustea in Wien, ist aus zweilagigem Onyx geschnitten. Auch das Buch Exodus kennt ihn: Auf den Schultern des Hohepriesters lagen zwei Steine mit den Namen der zwölf Stämme Israels, sechs auf jedem. Wer das Gewand trug, trug die Namen eines ganzen Volkes — auf einem Stein, der sie nicht vergessen würde. Schon im Buch Genesis steht er unter den Kostbarkeiten des Landes Hawila, neben Gold.

Dann drehte sich sein Ruf. Im 11. Jahrhundert schrieb ein Bischof in der Bretagne ein Buch über die Kräfte der Steine, und über den Onyx schrieb er nichts Gutes: Wer ihn am Hals trage, den plagten Traurigkeit, Furcht und schwere Träume, und Streit folge ihm, wohin er gehe. Andere Steinbücher übernahmen das. Für einige Jahrhunderte war der Onyx der Stein, den man seinen Feinden schenkte.

Ein paar Jahrzehnte später und ein paar hundert Kilometer weiter östlich saß Hildegard von Bingen am Rhein und schrieb ihre Physica. In ihrem Buch von den Steinen steht auch ein Kapitel über den Onyx — was sie so nannte, halten manche heute für Achat —, und sie empfiehlt ihn: gegen Augenleiden, gelegt in Wein. Zwei Gelehrte, fast dieselbe Zeit, derselbe Stein. Der eine warnt, die andere verordnet ihn. So ging es dem Onyx dann weitere achthundert Jahre.

Der wechselnde Ruf des Onyx – schreibender Mönch mit Steinbuch, Königin Victoria in Trauerkleidung und eine Art-déco-Dame mit schwarzem Onyx Schmuck

Im 19. Jahrhundert drehte er sich wieder. Königin Victoria legte nach dem Tod ihres Mannes 1861 die Trauer nie wieder ab, und ein ganzes Land folgte ihr. Trauerschmuck aus Gagat und schwarzem Onyx wurde zur Mode: Broschen mit einer Haarlocke unter Glas, Ringe mit einem Namen auf der Innenseite. Der Stein der schweren Träume war zum Stein der Erinnerung geworden. Siebzig Jahre später war er ein Stein des Festes — die Juweliere des Art déco setzten ihn neben Diamanten und Platin, in harte Kanten und klare Flächen, als wollten sie der Nacht Manieren beibringen.

Wo die Nacht den Tag anführt — Onyx, Kelten und Wikinger

Keltisches Handfasting an einer Klippe bei Sonnenuntergang, die Hände mit schwarzem Band verknotet, daneben Onyx Schmuck und eine Steinbock-Scheibe

Caesar notierte über die Gallier, sie zählten die Zeit nach Nächten statt nach Tagen; selbst Geburtstage und Monatsanfänge rechneten sie so, dass die Nacht dem Tag vorausging. Anderthalb Jahrhunderte später schrieb Tacitus dasselbe über die Germanen: Bei ihnen führe die Nacht den Tag an. Die Spur liegt noch in unserer Sprache — fortnight sind vierzehn Nächte, unsere Weihnacht war die Zeit der geweihten Nächte, und in den Rauhnächten zählt man bis heute die Dunkelheit.

Im Norden ritt die Nacht selbst über den Himmel. Nótt heißt sie in der Edda, dunkel wie ihr ganzes Geschlecht, und ihr Pferd Hrímfaxi trägt eine Mähne aus Reif. Der Schaum, der ihm beim Reiten vom Gebiss tropft, fällt jeden Morgen als Tau auf die Täler. Wer im Frühjahr barfuß durchs nasse Gras lief, lief über die Spur der Nacht.

Ihr Schmuck bestand vor allem aus Glasperlen, Bernstein, Koralle und Bronze. Ihr Schwarz trugen beide trotzdem am Körper: Kelten der La-Tène-Zeit polierten Armringe aus fossilem Gestein, Wikinger in Jorvik schnitzten Anhänger aus Gagat. Der Onyx kam später, als geschnittener Siegelstein in den Ringen römischer Beamter. Darum passt er in diese Bildwelt, ohne je in ihr gelegen zu haben: Ein keltischer Knoten, dessen Linie nirgends aufhört, und in seiner Mitte die Farbe der Nacht — das ist genau die Vorstellung, die Caesar bei den Galliern fand. Ein Kreis, der im Dunkeln beginnt. Die Formensprache dazu findest du im keltischen Schmuck, und die Nacht, mit der das keltische Jahr anfängt, haben wir eigens erzählt: Samhain, das Fest des Übergangs.

Was dem Onyx heute zugeschrieben wird

Infografik Onyx heute tragen – drei Fassungen in Silber, Gold und Leder, Onyx als Geschenk, Sternzeichen Steinbock sowie Echtheitsmerkmale und Pflegehinweise

In moderner Symbolkunde steht der Onyx für Tiefe, Konzentration und nächtliche Klarheit — für die Stille zwischen zwei Gedanken. In der Steinheilkunde gilt er als klassischer Schutzstein; die Wirkung, die man ihm dort nachsagt, ist Halt, Standfestigkeit und die Fähigkeit, sich abzugrenzen, meist verbunden mit dem Wurzelchakra. Medizinisch belegt ist davon nichts.

Wenn du mit Steinen arbeitest, ist Onyx der für die Erdung. In der Chakrenlehre gehört er zum Wurzelchakra, und Schwarz ist dort die Farbe, die nach unten zeigt. Leg ihn beim Meditieren in die Handfläche: Sein Gewicht und seine Kühle geben den Gedanken einen Ort, an den sie zurückkommen. In Indien gehört er zum Saturn, zu Shani, und steht dort nicht für Kraft, sondern für Ausdauer.

Seine Zeit ist die dunkle Hälfte des Jahres, zwischen Samhain und Wintersonnenwende. Dieselben Wochen, in denen der Steinbock steht.

Die älteste Zuschreibung dieses Steins ist ohnehin eine handfestere. Der Händler in Rom trug ihn, weil er damit ein Wort besiegelte, das er halten musste. Der Hohepriester trug ihn, damit die Namen nicht verloren gingen. Die Witwe in London trug ihn, damit etwas von dem blieb, der gegangen war. Man legt eine Absicht in einen Gegenstand, damit sie einem nicht abhandenkommt, und beim Onyx war diese Absicht fast immer dieselbe: bei etwas bleiben. Bei einem Versprechen, einem Namen, einem Menschen, bei sich selbst.

Onyx kombinieren — welche Steine dazu passen

Schwarz macht es dir leicht: Es stellt sich neben alles, ohne etwas zu übertönen. Drei Verbindungen lohnen sich besonders.

Onyx und Perle. Der älteste Kontrast im Schmuck, matt gegen schimmernd, Nacht gegen Licht. Er wirkt streng und festlich zugleich und war die Signatur des Art déco.

Onyx und Amethyst. Schwarz und Violett liegen im Jahreskreis nebeneinander: die Nacht und die Dämmerung, die auf sie folgt. Wer beide trägt, trägt den Übergang.

Onyx und Malachit. Tiefes Schwarz neben sattem Grün. Die kräftigste der drei — trag sie, wenn du gesehen werden willst.

Onyx bei Runental

Onyx Schmuck von Runental auf Schieferplatte mit Farn und Eichenlaub – keltische Knoten-Anhänger und Ohrhänger aus Silber mit schwarzem Onyx

Verschenk ihn, wenn etwas besiegelt wird: eine Zusage, ein neuer Anfang, ein Bund. Beim keltischen Handfasting, bei dem zwei Hände mit einem Band verknotet werden, passt ein Knoten mit schwarzem Stein genau in die alte Geste. Und wenn du jemanden mit Geburtstag zwischen dem 22. Dezember und dem 20. Januar beschenkst: Onyx ist der Stein des Steinbocks, aus den längsten Nächten des Jahres.

Wir haben unseren Stücken Namen gegeben, bevor uns auffiel, dass alle von der Nacht handeln. Nacht des keltischen Knotens, weil in einer Linie ohne Ende die Dunkelheit am Anfang steht. Tropfen der Mitternacht, nach der Stunde, in der nach alter Rechnung der neue Tag schon begonnen hat. Und Der dunkle Eid, ein Trinity Knot mit schwarzem Stein, weil ein Versprechen der älteste Grund ist, einen Onyx zu tragen — mehr zu dieser Form steht in unserem Artikel zur Triquetra und ihrer Bedeutung.

Was wir bei Runental über Onyx denken

Wir schreiben bei jedem Stück dazu, was wirklich darin sitzt. Die Anhänger und Ohrhänger mit keltischem Knoten und Triquetra tragen echten Onyx. Bei einigen Amuletten, bei denen du den Stein selbst wählst, ist es ein onyxfarbener Schmuckstein — auch bei solchen aus Silber. Das könnten wir verschweigen, andere tun es. Wir finden: Wer einen Stein trägt, soll wissen, was er trägt.

Was uns am Onyx gefällt, ist seine Unaufdringlichkeit. Er funkelt nicht, er sammelt. Deshalb halten wir ihn für den besten Einstieg, wenn du mit Steinschmuck anfängst: Er passt zu allem, übersteht den Alltag mit seiner Härte von 6,5 und sieht in zehn Jahren noch aus wie heute — vorausgesetzt, du hältst Parfüm und scharfe Reiniger fern.

Wenn du schwankst, nimm den kleinen Knoten-Anhänger. Er liegt unauffällig am Schlüsselbein und lässt sich zu allem tragen. Die großen Ohrhänger sind die Stücke für Abende, an denen der Schmuck gesehen werden soll.

Schau dich im Onyx Schmuck um — alle Silberstücke dort sind aus 925 Sterling Silber. Welche Steine wir sonst verarbeiten, siehst du im mythologischen Schmuck.

Häufige Fragen zum Onyx

Was ist ein Onyx Stein?

Ein Onyx Stein ist ein Chalcedon, also ein Quarz aus unzähligen winzigen Kristallen, dessen Schichten gerade und parallel übereinanderliegen. Biegen sich die Schichten zu Ringen, heißt derselbe Stoff Achat. Im Schmuck ist fast immer schwarzer Onyx gemeint, dessen gleichmäßiges Schwarz durch Färben entsteht.

Was bedeutet Onyx?

Der Name kommt aus dem Griechischen und heißt „Fingernagel“ — nach den hellen und dunklen Lagen des Steins. In der Symbolik steht der Onyx für Beständigkeit, Sammlung und nächtliche Klarheit. Seit Römer ihre Verträge mit Onyx-Siegeln verschlossen, gilt er außerdem als Stein, der ein gegebenes Wort festhält.

Welche Wirkung wird dem Onyx nachgesagt?

In der Steinheilkunde gilt Onyx als Schutzstein: Man schreibt ihm eine sammelnde Wirkung auf die Psyche zu, Konzentration, Ruhe und die Fähigkeit, sich abzugrenzen. Eine körperliche Wirkung ist nicht nachgewiesen, und bei gesundheitlichen Beschwerden bist du bei einer Ärztin besser aufgehoben als bei einem Stein. Bemerkenswert ist sein wechselnder Ruf: Im Mittelalter galt er als Stein, der schwere Träume bringt, im 19. Jahrhundert als Trauerstein, heute als einer, der Halt gibt.

Welche spirituelle Bedeutung hat der Onyx?

Spirituell steht Onyx für Erdung. In der Chakrenlehre gehört er zum Wurzelchakra, dem untersten, und Schwarz ist dort die Farbe, die nach unten zeigt. In der indischen Astrologie gehört er zum Saturn, zu Shani, und steht dort für Disziplin und Ausdauer. Seine Zeit ist die dunkle Hälfte des Jahres, zwischen Samhain und Wintersonnenwende.

Ist schwarzer Onyx gefärbt?

Fast immer, und das ist üblich. Rein schwarzer Onyx ist in der Natur selten, deshalb wird grauer oder gebänderter Chalcedon mit Zuckerlösung und Säure dauerhaft schwarz gefärbt. Der Stein bleibt dabei ein Naturstein; das Verfahren ist seit Jahrhunderten Standard und wurde in Idar-Oberstein perfektioniert. Der Rohstein kommt heute vor allem aus Brasilien, Indien, Madagaskar und Uruguay.

Wie erkennt man echten Onyx?

Echter Onyx ist ein Quarz: Er liegt schwer und kühl in der Hand, ist mit einer Mohshärte von 6,5 bis 7 sehr kratzfest und zeigt an dünnen Kanten im Gegenlicht manchmal feine Schichten. Glas hat oft winzige Bläschen, Kunststoff ist leicht und wird schnell warm. Seriöse Händler weisen onyxfarbene Schmucksteine als solche aus.

Ist Onyx ein Edelstein oder ein Halbedelstein?

Streng genommen keines von beidem: Onyx ist ein Schmuckstein aus der Quarzfamilie. Die alte Einteilung in Edelstein und Halbedelstein gilt in der Gemmologie als überholt, weil sie nichts über Qualität aussagt, sondern nur über Seltenheit. Zu den Eigenschaften des Onyx gehören eine Mohshärte von 6,5 bis 7, eine dichte Struktur und eine Politur, die jahrhundertelang hält.

Ist Onyx dasselbe wie Obsidian?

Nein. Onyx ist ein Quarz, der Schicht für Schicht in Hohlräumen im Gestein wächst; Obsidian ist vulkanisches Glas, das entsteht, wenn Lava blitzschnell erstarrt. Onyx wirkt dicht und matt glänzend, Obsidian glänzt glasig und bricht mit scharfen, muscheligen Kanten. Beide sind schwarz und haben sonst nichts gemeinsam.

Was sind Sardonyx, Onyxmarmor, grüner und weißer Onyx?

Sardonyx ist ein Onyx mit rotbraunen und weißen Lagen, der Lieblingsstein der römischen Kameenschneider und in den klassischen Listen Geburtsstein des August. Onyxmarmor dagegen ist gar kein Onyx, sondern gebänderter Kalzit, deutlich weicher und für Lampen und Schalen verarbeitet. Was als grüner, blauer oder weißer Onyx verkauft wird, ist meist ebenfalls Kalzit oder gefärbter Chalcedon — natürlich grünen oder blauen Onyx gibt es kaum.

Was ist Gagat und was hat er mit den Wikingern zu tun?

Gagat, englisch Jet, ist versteinertes Holz — auffallend leicht und handwarm, kein Quarz und damit kein Onyx. An der englischen Küste bei Whitby wird er seit der Antike gefunden. In Jorvik, dem heutigen York, schnitzten Wikinger daraus Ringe und Anhänger; im 19. Jahrhundert wurde derselbe Stein zum Material des viktorianischen Trauerschmucks.

Kannten die Kelten und Wikinger den Onyx?

Der Onyx kam erst mit den Römern als Siegelstein in die keltischen Provinzen. Ihr eigener Schmuck bestand vor allem aus Glasperlen, Bernstein, Koralle und Bronze. Schwarz trugen beide trotzdem: Kelten Armringe aus poliertem, fossilem Gestein, Wikinger Anhänger aus Gagat. Und beide zählten ihre Zeit nach Nächten — der Tag begann bei ihnen mit dem Dunkel. Genau deshalb sitzt ein schwarzer Stein in keltischen und nordischen Motiven so stimmig.

Welches Sternzeichen passt zu Onyx?

In den gängigen Zuordnungen gehört Onyx zum Steinbock, also zu den Geburtstagen zwischen dem 22. Dezember und dem 20. Januar — den Wochen der längsten Nächte. Einen festen Geburtsmonat hat er in den klassischen Listen nicht; dort steht nur seine rot gebänderte Schwester, der Sardonyx, für den August.

Was bedeuten Onyx Ring, Kette und Armband?

Ein Onyx Ring geht auf den römischen Siegelring zurück, der Verträge verschloss und damit für ein gegebenes Wort stand. Eine Onyx Kette trägt den Stein dort, wo mittelalterliche Steinbücher ihn verorteten: am Hals, nah am Puls. Ein Onyx Armband besteht meist aus runden Perlen und wird als Erdungsschmuck getragen. Für alle drei gilt dieselbe Symbolik: bei einer Sache bleiben.

Welche Steine passen zu Onyx?

Perle, Amethyst und Malachit sind die klassischen Begleiter. Die Perle setzt einen matten Schimmer gegen das Schwarz, der Amethyst bringt das Violett der Dämmerung dazu, der Malachit ein sattes Grün. Weil Schwarz sich mit allem verträgt, funktioniert Onyx aber auch neben fast jedem anderen Stein.

Wie lädt man einen Onyx auf und reinigt ihn?

In der Steinheilkunde hält man den Stein kurz unter fließendes Wasser, um ihn zu entladen, und legt ihn danach über Nacht ins Mondlicht oder auf eine Bergkristallgruppe. Manche wählen dafür den Neumond, weil der Onyx zur dunklen Hälfte gehört. Zwei Dinge solltest du dabei lassen: Salzwasser und lange Wasserbäder. Beides greift die Oberfläche an und kann gefärbten Onyx mit der Zeit ausbleichen lassen — dasselbe gilt für direkte Sonne über Stunden.

Die Nacht vor dem Tag

Heute beginnt der Tag für die meisten Menschen mit dem Wecker, und die Nacht ist das, was übrig bleibt, wenn alles erledigt ist. Man kann es auch machen wie die Gallier und die Nordleute: die Dunkelheit an den Anfang stellen, als den Ort, an dem der Tag sich sammelt, bevor er beginnt.

Der Onyx hält diese Stunde fest. Eine Göttin hat ihn im Schlaf verloren, ein Händler hat mit ihm ein Wort besiegelt, ein Bischof hat vor ihm gewarnt, eine Witwe hat ihn nicht mehr abgelegt. Er hat alles davon ausgehalten und ist derselbe Stein geblieben: schwarz, kühl, still. Und irgendwann liegt er in deiner Hand, am Abend, bevor der nächste Tag anfängt.

Wenn dich diese Welt weiter interessiert, dann geh hinein: zu den Kelten und ihren Mythen oder zu den Göttern des Nordens in der nordischen Mythologie, in der die Nacht auf einem Pferd aus Reif über den Himmel reitet.

Geschrieben von Dominique Perreau für Runental. Wir führen Schmuck mit keltischer und nordischer Symbolik und hatten jedes Stück, über das wir hier schreiben, selbst in der Hand. Historische Angaben nach: Caesar, De bello Gallico 6,18 · Tacitus, Germania 11 · Marbod von Rennes, Liber lapidum · Hildegard von Bingen, Physica IV · Exodus 28 und Genesis 2.

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